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MG - Mar Gabriel re-active (e.V. in Gründung)

Zur Unterstützung der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien

Neuigkeiten

Warum die Aramäer als ausgestorben gelten ...

von Robil Aykurt

Vor über 100 Jahren erfolgte die systematische Vernichtung der syrischen Christen im Osmanischen Reich. Nur wenige Christen überlebten diese religiös sehr angespannten Zeit. Die Gewaltbereitschaft fanatischer und irregeführter Menschen, deren falsche Vorstellung von einer Gemeinschaft und deren fehlende Bildung warf die gesamte Region im Südosten der Türkei um Jahrhunderte zurück. Nach den Massentötungen veränderten sich die Mehrheitsverhältnisse im Tur Abdin und die wenigen verbliebenen Christen waren einer stetigen religiösen Unterdrückung ausgesetzt. Der Überlebenskampf nötigte sie dazu sich den Gegebenheiten anzupassen und ihr Verhalten zu verändern. Das bedeutete die Einschränkung der christlichen Tugenden, oftmals begründet mit Furcht vor Repressalien. Diese Assimilation, ob nun freiwillig aufgrund eines erwarteten Vorteils oder aufgrund eines äusseren Drucks prägte die Verhaltens- und Lebensformen der syrischen Christen nach 1915 erheblich. Für Aussenstehende und auf den ersten Blick liessen sich deshalb auch kaum Unterschiede erkennen. Bei näherer Betrachtung sind die Unterschiede aber wesentlich in der Sprache, des Glaubens und der historischen Identität. Die Fortführung der syrisch-orthodoxen Lehren in den Schulen der Klöster im Tur Abdin sorgten für das überleben der kirchlichen Traditionen und dessen andauernde überlieferung. Langsam wuchs die Anzahl der syrischen Christen nach 1915 im Tur Abdin wieder an. Als Minderheit stellten die Christen aber keine Bedrohung dar und pflegten sogar bis zum Ende der Siebziger Jahre zu ihren kurdischen Nachbarn wieder gute Kontakte. Auch konvertierten oftmals Kurden zum Christentum und schlossen sich der syrisch-orthodoxen Kirche an. Infolgedessen wird die kurdische Sprache unter vielen betagten syrischen Christen auch heute noch gesprochen, teilweise sogar ausschliesslich. Die Verknüpfung der Sprache mit der kurdischen Kultur führte dabei ebenfalls zu veränderten Lebensgewohnheiten der syrischen Christen, welche deshalb bis Heute bei vielen betagten Aramäern auch noch oft etabliert sind. Die Aramäer waren nach 1915 also nicht ausgestorben, auch wenn alte Duden und Lexikas anderes behauptet hatten, erlagen diese lediglich einer Verwechslung.

Diese Form der Regeneration und Anpassung führte aber nicht zum Identitätsverlust der Aramäer, sondern im Gegenteil zur Förderung der Sprache, der kirchlichen Rituale und der Fort- und Weiterbildung innerhalb der syrisch-orthodoxen Kirche. Die räumliche Nähe und der familiäre Zusammenhalt der syrischen Christen im Tur Abdin, die christlich geprägte Infrastruktur, wie Kirchen und Klöster, sowie die Möglichkeit der Selbstversorgung belebte die christichen Tugenden im Tur Abdin wieder. Davon profitierten auch die kurdischen Nachbarn. Die systematsiche Vernichtung der Christen führte also nicht zur Vollendung des Völkermordes, sondern zu einer massiven Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Tur Abdin, der ursprunglich und seit Jahrtausenden mehrheitlich von Aramäern bewohnt war. Der Identitätsverlust erfolgte erst mit der massenhaften Auswanderung der syrischen Christen durch die Anwerbung über deutsche Arbeitsämter in der Türkei zum Ende der Sechziger Jahre und später aufgrund der wiederholten politischen Verfolgungen im Tur Abdin Ende der Siebziger Jahre. Grossteils freiwillig, aber auch vielfach aufgrund von konkreten Morddrohungen verschlug es die Mehrheit der syrischen Christen in westlich geprägte Länder auf der ganzen Welt, vor allem aber in die USA, Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Kanada und Australien. Nur Wenige liessen sich innerhalb der Türkei oder in Syrien nieder. Die wirtschaftlichen Perspektiven und die vermutete Nähe zum christlichen Glauben der Zielländer spielten bei der Auswahl eine vorrangige Rolle. Aufgrund der sprachlichen und kulturellen Unterschiede dieser Länder war es aber der ersten Auswanderergeneration nicht gelungen die neue Sprache ausreichend zu erlernen, geschweige denn die neuen Lebensformen zu akzeptieren oder zu tolerien. Die strenge christliche Auslegung der Bibel durch die syrisch-orthodoxe Kirche widersprach in vielen Bereichen den aktuellen Lebensformen und Freiheiten der "Westlichen Welt". Viele Verbote und öffentliche Denunzierungen von Abweichlern führte zu einer versteckten Integration oder sogar zur Assimilation der Nachfolgegenerationen in den Zielländern. Parallel dazu verblieb die erste Generation i.d.R. verwurzelt in kurdisch geprägten Umgangsformen. Prinzipiell waren die syrischen Christen stets in der Lage sich veränderten Gegebenheiten anzupassen, oder diese zumindest zu tolerieren oder einfach zu igonieren, solange sie sich nur gegenüber ihresgleichen verpflichtet fühlten. Dies gelang den syrischen Christen nach 1915 genau aus diesem Grund im Tur Abdin. Der gegenseitigen Verpflichtung zum Erhalt der eigenen Identität und Gemeinschaft. Mit der massenhaften Auswanderung und Flucht aus dem Tur Abdin in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren sprengten sie diese Gemeinschaft in viele Einzelteile verstreut auf die ganze Welt. Diese hatte den syrischen Christen auch viel zu geben, wie Sicherheit, Glaubensfreiheit, finanzielle Absicherung oder die Wissenschaft. Letzteres im direkten Konflikt mit den Vorstellungen der syrisch-orthodoxen Kirche, genauso wie die Interpretation des christlichen Glaubens in der westlichen Welt. Die syrisch-orthodoxe Kirche wäre sie auch nicht, wenn sie diese "Freizügigkeit" einfach tolerieren könnte. So verlor die Kirche leider auch immer mehr den Bezug zu den westlich geprägten Generationen. Kritik, auch berechtigte, kam bei diesen kaum noch an. Ein Prozess der bis heute andauert und zum Schwund der Gemeinschaft führt. Die Vorteile der Gemeinschaft im Tur Abdin weichen den wirtschaftlichen Vorteilen in den Aufnahmeländern. Mit der Konzentration auf weltliche und westliche Werte bei gleichzeitiger Dauerbeschäftigung für die Selbstversorgung, vergisst der syrische Christ oftmals seine christlichen Tugenden und damit auch einen wesentlichen Teil seiner Identität.

Die unermesslichen Vorteile der christlichen Gemeinschaft werden heute also aufgrund der Zerstreuung gegen eine fremdgesteuerte Existenzsicherung eingetauscht. Ich bin davon überzeugt, dass heute jeder syrische Christ im Tur Abdin nicht nur seine Existenz sichern kann, sondern auch in der Lage ist die Gegebenheiten im Tur Abdin seinen neuen Bedürfnissen anzupassen und in blühende Landschaften zu verwandeln. Jedes erdenkliche Recht dazu besitzt er jedenfalls.

Dieser Zerstreuung und Planlosigkeit der syrischen Christen muss durch Vereinigung und einer einheitlichen Strategie entgegen gewirkt werden.

Der erste Schritt ist getan: Die Plattform zur Unterstützung der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien ist geschaffen und die Zählung und (Wieder-) Vereinigung der syrischen Christen hat seit dem 01. August 2015 unter: www.margabriel.de begonnen.

Sie sind syrischer Christ? Tragen Sie unten Ihre Email Adresse ein und erhalten Sie Informationen darüber, wie alle Angehörigen in Zukunft zu einem gleichwertigen Teil eines neuen Ganzen werden.


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