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MG - Mar Gabriel re-active (e.V. in Gründung)

Zur Unterstützung der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien
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Mitteilungsblatt 1999

Layout Mitteilungsblatt 1999

Inhaltsübersicht

Vorwort

Die syrischen Christen in Nordost-Syrien

Zur Herstellung und Zubereitung von Weizengrütze u.a. im Tur Abdin (Danuke, Bargal und Kutle)

Hochzeitsrituale bei den ostsyrischen Christen. Nach Pfr. Emanuel Youkhana, Wiesbaden

Besuch bei Seiner Eminenz Erzbischof Dionysius Isa Gürbüz in Warburg

Zur Lage der syrischen Flüchtlinge in Österreich

Vorwort


Liebe Freunde des Vereins Mar Gabriel und der syrischen Christen!
Wie Sie aus unserem Tätigkeitsbericht entnehmen können, war das vergangene Jahr sehr arbeits- und erfolgreich. Wir konnten wieder einen Betrag in den Solidaritätsfond Tur Abdin einzahlen, um einen Sonntagsschullehrer zu unterstützen. Außerdem haben wir aufmerksam das Schicksal syrischer Christen aus dem Nordirak verfolgt, die unter unsäglichen Leiden ihre Heimat verlassen mußten und schließlich als Schiffbrüchige an den Küsten der Türkei, Griechenlands und Italiens nur mit knapper Not dem Tod entgingen. Wir haben eine Gruppe von ihnen in Wien unterstützt, die dort in Abschiebehaft saß. Außerdem erhielt der assyrische Priester Emanuel Youkhana in Wiesbaden zweimal finanzielle Unterstützung für assyrische Flüchtlinge und Studenten im Nordirak, die in ihrer Heimat ausharren wollen. Der Priester hat uns darüber einen Bericht geschrieben.


Traditioneller Tanz anläßlich des assyrischen Neujahrsfestes am 1.April, in der Nähe von Qamishli

Traditioneller Tanz anläßlich des assyrischen Neujahrsfestes am 1.April, in der Nähe von Qamishli

Dr. Yousef Simon aus Rutan an der syrisch-türkischen Grenze hat mit seiner Familie bei Völkerverständigungsfesten, Christkindl- und Ostermärkten sowie beim Markt der Völker im Völkerkundemuseum (Hamburg) und beim internationalen Kinderfest im Schloß Reinbek Fladenbrot nach Art nordostsyrischer Dörfer gebacken und damit großes Interesse gefunden. Der Ertrag aus diesen Unternehmungen wurde an Behinderte, Arbeitslose und Witwen in der Region Rutan verteilt. Mit den nächsten Einkünften soll ein Syrisch-Lehrer für die syrisch-orthodoxen Kinder dort finanziert werden.

Dr. Shabo Talay hielt sich 1997/98 in den assyrischen Dörfern am Khabur auf, um die dortigen Dialekte zu erforschen. Er berichtete auf einem Symposium in Hermannsburg über die schweren Lebensumstände der Christen dort, die das einst blühende Gebiet wegen Wassermangel und zunehmender Armut verlassen, um in Europa oder Amerika Zuflucht zu suchen. Dr. Talay möchte die Assyrer darin unterstützen, in ihrer Heimat am Khabur zu bleiben.

Wir möchten die syrischen Christen weiterhin im Tur Abdin, aber auch im Nordirak, in Nordostsyrien und auf der Flucht unterstützen, und bitten Sie, uns weiterhin mit Spenden zu helfen. Über unsere Projekte werden wir Ihnen berichten. 1998 hat unser Schriftführer Dr. Landeck wegen beruflicher Überlastung auch die Redaktion für unser Infoblatt abgegeben. Dr. Shabo Talay, Universität Erlangen, hat sich für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt. Iso Capan, Coburg, wird die technische Seite übernehmen.

Über Anregungen aller Art aus unserem Freundeskreis würden wir uns freuen.

Ihre Helga Anschütz

Die syrischen Christen in Nordost-Syrien

Der Nordosten der Arabischen Republik Syrien heißt im Volksmund al Gazire, (d.h. die Insel). Diese Region umfaßt die Provinz Hasake und Teile der beiden Provinzen Raqqa und Der izZor. In der Gazire (sprich: Dschasire) leben heute ca. 100.000 -120.000 Christen, zu 90% Angehörige syrischer Kirchen, die verbleibenden 10% fallen auf Mitglieder der verschiedenen armenischen Kirchen. Die meisten Städte der Gazire wurden erst in diesem Jhdt., nach den Verfolgungen und den Massakern während und nach dem l. Weltkrieg gegründet. Damals flohen die Christen zu den Franzosen, die in Syrien Mandatsmacht darstellten. Zuvor war die Gazire schon seit Jahrhunderten nur dünn mit arabischen Beduinen besiedelt. Nur in der heutigen Grenzregion gab es städtisches Leben, so in Ras alAin, Amuda und in einigen Dörfern östlich von Qamishli.


Die syrisch-orthodoxe Marienkirche in Qamishli

Die syrisch-orthodoxe Marienkirche in Qamishli

Bis in die fünfziger Jahre stellten die Christen in den meisten Städten die Mehrheit der Bevölkerung dar. Seit der Bodenreform und der Enteignung der Großgrundbesitzer in den sechziger Jahren, sowie durch die hohe Geburtenrate, hat die Zahl der muslimischen Bevölkerung, insbesondere der Kurden rasant zugenommen.

Die Zunahme der muslimischen Bevölkerung hat dazu geführt, daß in den Städten die Christen nur noch eine, zum Teil nur kleine, Minderheit darstellen. Das wurde von den Christen als Bedrohung angesehen, deshalb haben viele ihrer Heimat den Rücken gekehrt und sind ausgewandert. Die Abnahme des christlichen Bevölkerungsanteils hatte zur Folge, daß immer mehr Schlüsselpositionen mit Muslimen besetzt werden. Allerdings stellen die Christen immer noch den ersten Bürgermeister in Qamishli und Malkiye.

Andere Gründe für die Auswanderung sind, neben der schlechten wirtschaftlichen Situation, auch Übergriffe in den von Kurden dominierten Gebieten, auf einzelne Christen. In einigen Gegenden haben sich Kurden Felder - in der Gegend von Malkiye sogar ganze Dörfer - von Christen angeeignet und haben bis heute ihre Position mit Hilfe von Bestechungsgeldern halten können. In den Städten konnte die christliche Bevölkerung ihre Zahl halten, weil die Bewohner der umliegenden Dörfer in die Städte nachgezogen sind. Gleichzeitig wurden aber die meisten christlichen Dörfer verlassen. Insgesamt leben heute nur noch ca. 3-5% der syrischen Christen in den östlich von Qamishli gelegenen Dörfern. Noch relativ intakte Dorfgemeinschaften sind in den assyrischen Dörfern entlang des Khabur-Flusses anzutreffen. Allerdings hat auch hier eine starke Auswanderungswelle begonnen, seit der Khabur in den Sommermonaten kein Wasser führt und die Obstgärten und Felder verdorren.

Die Christen werden in Syrien generell nicht verfolgt. Der Staat gewährt ihnen großzügige religiöse und kulturelle Freiheiten. Sie genießen sogar Privilegien, die andere Minderheiten z.B. die Kurden nicht haben. Im Gegensatz zu anderen islamischen Staaten (Türkei, Ägypten) können in Syrien problemlos Kirchen gebaut werden. Die religiösen Gemeinschaften können auch Träger von Kindergärten und Privatschulen sein, wo die eigene Liturgie und die Kirchensprache unterrichtet wird (Syrer und Armenier). In der Gazire sind folgende syrische Kirchen vertreten:

l. Die syrisch-orthodoxe Kirche stellt mit ca. 50.000 - 60.000 Mitglieder über 50% der Christen dar. Rund die Hälfte von ihnen lebt in der Stadt Qamishli, an der türkischen Grenze. Erst im Jahre 1933 wurde die Diözese "alGazira w alFurat" gegründet. Ihr Bischof, seit 1988 Mar Osthathios Matta Roham, hat seinen Sitz in der Provinzhauptstadt Hasake, wo weitere ca. 15.000 Angehörige seiner Kirche leben. Weitere Gemeinden hat die Kirche in den Städten Malkiye (ca. 5.000), Qahtaniye, Rmelan, Amuda, Dirbesiye, Der izZor und Raqqa. Die meisten kleinen Dörfer, mit syrisch-orthodoxer Bevölkerung, wurden in den letzten Jahren aufgegeben. Ihre Bewohner sind in die Städte gezogen. Dauernd bewohnt sind nur noch 10 der insgesamt 35 Dörfer.

Nördlich von Hasake liegen die Dörfer der Qsowarne, einer arabischsprachigen Gruppen syrisch-orthodoxer Christen aus der Mardin-Ebene. Erst in den letzten Jahren sind einige Familien in die Dörfer zurückgekehrt, die meisten waren zuvor nach Hasake gezogen und bestellten ihre Felder von der Stadt aus.

2. Die syrisch-katholische Kirche hat ca. 10.000 Mitglieder. Die Kirchendiözese wird seit 1996 vom Bischof Mar Jakob Behnan Hindo geleitet, der seinen Sitz in Hasake hat. Die katholische Kirche hat ihre Mitglieder in den Städten Hasake, Qamishli und Malkiye.

3. Die chaldäische Kirche (6.000 Mitglieder) hat keine eigenständige Diözese in der Gazire. Der Bischofssitz ist in Aleppo. Neben den in den Städten der Gazire lebenden Chaldäern, gibt es noch vier Dörfer mit chaldäischer Bevölkerung. Das sind Tall Sakra und Tall Arbush am Khabur und Hinnewiye und Khanik bei Malkiye.

4. Die alte apostolische Kirche des Ostens (nestorianische, assyrische Kirche) hat knapp 20.000 Mitglieder. Diese Kirche hat sich in Zwei Gruppen gespalten. Die meisten gehören der westlichen Gruppierung an, die in Hasake einen vakanten Bischofssitz hat. Die Orientale Gruppe hat ihre meisten Anhänger in Tall Hirmiz am Khabur, wo auch ein Bischof residiert.

5. Die syrisch-evangelische Kirche hat ihre Mitglieder in Qamishli, Hasake und Malkiye, wo es jeweils eine Kirche mit einem Pfarrer gibt. Insgesamt hat sie etwa 1400 Mitglieder. Seit neuerer Zeit heißt die evangelische Kirche "nationale" evangelische Kirche und umfaßt auch die armenisch-evangelische Kirche.

6. Erst seit Mitte der achtziger Jahre gibt es in der Gazire auch eine freikirchliche evangelische Gemeinde. Zunächst war sie eine Abspaltung von der evangelischen Kirche. Inzwischen hat sie auch Mitglieder anderer Kirchen gewonnen. Zu dieser Gemeinde zählen sich ca. 400 Personen.

Die ökumenische Bewegung ist unter den Christen in der Gazire stark ausgeprägt. Es werden gemeinsame Gottesdienste gefeiert und ökumenische Gebetswochen veranstaltet. Auch bei der Ausführung von Trauungen, Verlobungen und Taufen wirken manchmal Geistliche verschiedener Kirchen gemeinsam. Bei den Christen werden untereinander in der Regel keine Unterschiede mehr gemacht. Gemischte Ehen sind weit verbreitet.


Die syrisch-evangelische Kirche in Hasake/Syrien

Die syrisch-evangelische Kirche in Hasake/Syrien

Zur Sprache:
Die syrischen Christen stammen alle aus der Südosttürkei. In ihrer ursprünglichen Heimat sprachen sie, je nach dem, aus welcher Gegend sie kamen, aramäisch, arabisch oder kurdisch. Nur noch ein geringer Teil der syrischen Christen spricht heute aramäisch zu Hause. Das von den Christen gesprochene Arabisch zählt mit seinen verschiedenen Dialekten (vom Azxeni in Malkiye bis Qsorani in Hasake) zum anatolischen qeltu-Arabisch, das die älteste noch faßbare Schicht des Arabischen in Mesopotamien darstellt. Die verschiedenen Dialekte aus Anatolien sind heute noch größtenteils erhalten.

Die dominante aramäische Sprache ist das Turoyo, die Sprache der Christen, die ursprünglich aus dem Tür Abdin gekommen sind. Jahre lang wurde Turoyo in Syrien vernachlässigt. Erst 1957, nach der Gründung der ADO (Assyrische Demokratische Organisation), wurde es aufgewertet. Man hat angefangen, Gedichte, Lieder und Theaterstücke auf Turoyo zu verfassen. Immer mehr junge Leute versuchten T. zu lernen. Neu war auch die Entwicklung von Neologismen, um es in allen Situationen des Alltags zu verwenden. Zu einer Schriftsprache hat es allerdings heute noch nicht gebracht. Es wird auch in keiner Form gelehrt. Man setzt immer noch auf die Wiederbelebung des klassischen Syrisch.

Der Dialekt von Mlahso, ein weiterer neuaramäischer Sprachzweig aus der Nähe von Diyarbakir, wurde zwar nach Syrien (Qamishli) gerettet, jedoch ist er mit dem Tod des letzten Sprechers, Ibrahim Hanna, im Jahre 1998, ausgestorben. (Zuvor war von Prof. Dr. Jastrow eine Monographie zu diesem Dialekt erschienen: Der neuaramäische Dialekt von Mlahso, Wiesbaden 1994)


Ibrahim Hanna, letzter sprecher des neuaramäischen Dialekts von Mlahso (gest.1998)

Ibrahim Hanna, letzter sprecher des neuaramäischen Dialekts von Mlahso (gest.1998)

Die Mitglieder der apostolischen Kirche des Ostens und ein Teil der Chaldäer (rund 20.000) sprechen mehrere Dialekte des Neuaramäischen aus dem Verbreitungsgebiet des Ostsyrischen. Diese Dialekte werden allgemein in dem Begriff Ashuri "Assyrisch" zusammengefaßt. Mit diesen am nächsten verwandt ist das Kildani "Chaldäisch", das in den beiden chäldäischen Dörfern Khanik und Hinnewiye und von den Chaldäern in Malkiye gesprochen wird. Die Ashuri- und Kildani-Dialekte gehören gemeinsam zu den sog. Nordostneuaramäischen (NENA-) Dialekten. Auch diese Dialekte sind nicht verschriftlicht worden.

Im 19. Jhdt. wurde auf der Basis des Dialekts von Urmia in Persien, eine moderne Literatursprache geschaffen, die dabei ist, bei den Assyrern den Platz der klassischen Sprache einzunehmen.

Die Liturgiesprache:
Die Kirchensprache der alten syrischen Kirchen ist das klassische Syrisch in seinen beiden Varietäten (Ost- und Westsyrisch). Das Syrische wird deshalb heute noch insbesondere von der syrisch-orthodoxen Kirche gepflegt. Es wird in allen kirchlichen Privatschulen den Kindern unterrichtet. Zusätzlich werden in den Sommermonaten Syrischkurse für jung und alt angeboten. Jedoch verdrängt das Arabische die alte Liturgiesprache immer mehr. So ist die Liturgie in der chaldäischen, katholischen und evangelischen Kirche mit Ausnahme nur weniger Abschnitte, wie das Vaterunser, schon arabisiert. Auch in der syrisch-orthodoxen Kirche werden große Abschnitte der Liturgie in arabischer Sprache gelesen. Nur die apostolische Kirche des Ostens hält weiterhin an der syrischen Sprache in der Liturgie fest.

Den größten Einfluß auf die Liturgiesprache übt die Umgangssprache der Gläubigen. Wenn die Gläubigen arabischsprachig sind, dann muß die Liturgie dementsprechend ins Arabische übersetzt werden. Sind sie allerdings aramäischsprachig, dann werden die Abschnitte, die direkt die Gemeinde betreffen, ins Aramäische übersetzt. Dadurch bleibt die Liturgie aramäisch, einmal in der klassischen Form (Syrisch), einmal in der modernen Form, dem heute gesprochenen Aramäisch.

Zur Herstellung und Zubereitung von Weizengrütze u.a. im Tur Abdin (Danuke, Bargal und Kutle)

Text entnommen aus:

Jastrow, Otto, Lehrbuch der Turoyo-Sprache (S.209 u. 211), Wiesbaden 1992
Prof. Dr. 0. Jastrow hat den von einer Frau aus Midin auf aramäisch (Turoyo) gesprochenen Originaltext ins Deutsche übersetzt. Hier ist der Text nur geringfügig verändert worden.

1. Danuke

Wir gingen und holten den Weizen, gaben ihn in einen großen Bottich und wuschen ihn zweimal in kaltem Wasser. Nach diesem kalten Wasser stellten wir einen großen Kessel auf das Feuer, taten Wasser hinein und machten Feuer, bis das Wasser kochte. Dann schütteten wir den gewaschenen Weizen in das kochende Wasser auf dem Feuer. Wir hielten das Feuer darunter in Gang, und der Weizen kochte eine Stunde, anderthalb oder zwei Stunden. Der Weizen kochte bis unser Weizen fertig war; die Bedingung war, daß das Weizenkorn so aufplatzte. Wenn das Weizenkorn aufgeplatzt ist, wird unsere Weizengrütze ordentlich, genauer gesagt wird unser gekochter Weizen (= danuke) ordentlich. Nachdem der Weizen gar gekocht war, holten wir ihn heraus; wir taten ihn auf große Seiher und schütteten ihn in Eimer, und die Eimer zogen wir mit Stricken auf das Dach. Das Dach war aus Zement. Wir legten den gekochten Weizen auf das Dach, zwei Tage lang, wir breiteten ihn schön aus, und der Weizen trocknete; er wurde zu getrocknetem gekochtem Weizen.


Mörsel und Stößel aus Stein

Mörsel und Stößel aus Stein

2. "Dyoqo", Stampfen des Weizens

Nach zwei Tagen holten wir ihn wieder herunter, wuschen ihn, feuchteten ihn mit Wasser an und warfen ihn in den Mörser. Wir stampften mit hölzernen Stößeln, einer auf dieser hölzernen Stößeln, einer auf dieser Seite und einer auf dieser, wir stampften ihn, bis sich die Hülle von dem Weizenkorn ablöste. Wir schauten so und sagten: Er ist rund geworden, er ist sehr schön gestampft worden, und wir holten ihn wieder aus den Mörsern heraus und schafften ihn in Säcken hinauf aufs Dach. Auf dem Dach worfelten wir ihn, wir entfernten die Kleie von ihm, und dann breiteten wir ihn nochmals auf dem Dach aus, um ihn gründlich zu trocknen, damit ihm nichts passierte, damit er nicht sauer wurde. Nachdem wir ihn ausgebreitet hatten und er getrocknet war - er blieb einen Tag liegen, wir ließen ihn nur einen Tag nochmals in der Sonne, - sammelten wir diesen Weizen, den wir zu Weizengrütze gemacht hatten, und siebten ihn mit einem feineren Sieb, 'arbolo. Wir siebten ihn mit dem 'arbolo, dann schütteten wir ihn auf ein Tablett und verlasen ihn Korn um Korn, säuberten ihn von Unkrautsamen, kleinen Steinchen, von allem, was nicht schön ist. Das lasen wir heraus, und dann füllten wir den Weizen wieder in die Säcke.

3. Bargal und Hurik

Am folgenden Tag oder am dritten Tag gingen wir und suchten uns zwei große Handmühlen, und wir gingen ins Dorf und holten ein paar Mädchen zusammen, und dann setzten wir uns vor diese Handmühlen und schroteten die ganze Weizengrütze in der Handmühle. Nachdem sie in der Handmühle gemahlen worden war, gaben wir sie auf das Sieb, und zunächst wurde der grobe Schrot herausgesiebt. Dieser grobe Schrot wurde ein weiteres Mal gemahlen. Wenn dieser grobe Schrot zu Ende gemahlen war, dann gaben wir das, was unter dem Sieb lag, auf ein anderes Sieb, wir siebten nun die eigentliche Weizengrütze auf der einen Seite heraus, und es blieben der feine Grieß und das Mehl gemeinsam übrig. Danach nahmen wir nochmals ein Sieb, feiner als das vorhergehende, wir gaben es wieder darauf, und nun trennte sich der feine Grieß, aus dem man killte und ballo' macht, oben auf dem Sieb ab, und das Mehl blieb unter dem Sieb; das pflegten wir dem Vieh zu geben. Das aßen wir nicht, doch aus dem feinen Grieß macht man kutle und ballo' Das ist die Weizengrütze, die Art und Weise ihrer Herstellung.

4. Kutle

Dieser feine Grieß für Kutte, der wie gesagt von der Weizengrütze stammt, unter den wird Grütze von ungekochtem Weizen (hurik du garso) gemischt, wir vermischen es miteinander, und dann machen wir Wasser heiß und schütten es auf diesen Grieß. Wir kneten ihn, er bleibt ein, zwei Stunden so feucht im Bottich, und dann kneten wir ihn. Wir kneten ihn, wie man einen Teig knetet, schön, und wir hacken Fleisch und Zwiebeln, fügen Gewürze hinzu, und dann öffnen wir diesen Teig aus Grieß mit unseren Händen und machen ihn dünn, und dann füllen wir das Innere der Klöße mit Füllung und schließen sie wieder. Diese gefüllten Klöße nennt man Kutle. Sie sind aus dem feinen Grieß von der Weizengrütze, und Grütze aus ungekochtem Weizen ist darunter gemischt, und so entstehen Kutle.

5. Bargal

Und die Weizengrütze selber bereiten wir so zu: Wir setzen zwei Teile Wasser und einen Teil Weizengrütze auf. Wenn das Wasser kocht, fügen wir Salz hinzu und geben unsere Weizengrütze hinein, und sie wird gar. Sie wird gar ... Sie kann auch mit Fleisch gekocht werden, manchmal bereiten wir sie auch mit Fleisch zu ... Wir machen Spiegeleier in der Pfanne mit Butterfett und legen sie oben auf die Weizengrütze. Wir setzen sie den Kindern vor, der Familie, und sie essen sie. So wird Weizengrütze gemacht.

Hochzeitsrituale bei den ostsyrischen Christen

Nach Pfr. Emanuel Youkhana, Wiesbaden
Von Ursula von Schlieffen

... Es gibt ein kirchliches Verlöbnis, das nicht länger als 6 Monate dauern darf. Dabei werden zunächst Braut und Bräutigam nach ihrem Alter gefragt. Sind sie unter achtzehn, brauchen sie das Einverständnis ihrer Eltern - über achtzehn können sie frei entscheiden. Es werden die 64 Ehehindernisse aufgezählt, alle nur denkbaren Verwandtschaftskombinationen, darunter auch die "geistige Verwandtschaft" (durch die Patenschaft bei der Taufe). Die Eltern werden gefragt, ob ihnen eine Krankheit der Braut oder des Bräutigams bekannt ist. Es werden zwei Verlobungszeugen, zwei ältere Frauen gefunden, welche die Namensnennung der beiden und die Ringübergabe an die Braut übernehmen. Der Bräutigam wird gefragt, ob er den Brautpreis entrichtet hat, und seine Schwiegereltern werden um Bestätigung gebeten. Dann wird der Ring durch die beiden Zeuginnen an die Braut überreicht. Steckt sie ihn an, ist sie einverstanden. (Andernfalls wirft sie ihn von sich.) Sie werden beide vom Priester gefragt, ob sie in guten und bösen Tagen beieinander bleiben wollen und ihre Ringe werden gesegnet.

In früheren Zeiten wurden alle Fragen den beiderseitigen Eltern gestellt und von ihnen beantwortet! Die Jungfräulichkeit der Braut aber ist auch heute noch eine Selbstverständlichkeit!

Innerhalb der Sechsmonatsfrist ist die Hochzeit, die sich früher über eine Woche hinzog. Vor der eigentlichen Zeremonie werden erneut beide vom Priester gefragt, ob sie einander heiraten wollen. Danach bringt der Priester einen Kelch, der mit zwei Dritteln Wein und einem Drittel Wasser gefüllt ist. Er wird gesegnet, und die Brautleute versenken ihre beiden Ringe und ein Kreuz in diesem Kelch, der abermals gesegnet wird. Dann wird ein Stückchen Ton, möglichst aus einem Ziegelstein der Kirche, in den Kelch geworfen mit den Worten:
"Wie Adam aus Lehm gemacht ist und Eva von Adams Seite ... so bitten wir dich, dieses Paar zu segnen, wie du Adam und Eva gesegnet hast, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Und damit trinken die Brautleute den Kelch aus. Auch die Zeugen werden gesegnet. Dem Brautpaar werden Hochzeitskronen aufgesetzt (nicht immer), mit je zwei Bändern, einem roten und einem weißen werden die Häupter berührt und die Bänder dann über den linken Arm gelegt. Heiratet ein Diakon, bekommt er die Bänder auf die rechte Schulter. Heiratet aber ein Priester, berührt niemand mit den Bändern seinen Kopf, weil seine Priesterschaft einen höheren Rang hat, als jede auch symbolische Krone. Diese Bänder bleiben das Eigentum der Brautleute und sind wiederum für die Taufzeremonie ihres ersten Kindes bestimmt.

Wenn all dies getan ist, gibt es einen letzten Segen für die Brautleute, die Zeugen und die Gemeinde.

In früheren Zeiten war es üblich, mit Scheren zu klappern, um die bösen Geister zu vertreiben, oder die Braut mit einem langen Nagel ins Hinterteil zu piken, was die Potenz des Bräutigams beschwören sollte, oder aber den Fuß des Bräutigams auf den der Braut zu setzen, wozu es keines Kommentars bedarf. Dies alles aber fand auch Pfr. Emanuel ziemlich heidnisch und hat es auch nur nach längerem Zögern erzählt.

Besuch bei Seiner Eminenz Erzbischof Dionysius Isa Gürbüz in Warburg


Erzbischof der Syrrich-Orthodoxen Kirche in Deutschland

Erzbischof der Syrrich-Orthodoxen Kirche in Deutschland

Am 22./23 Oktober 1998 machte der Vorstand des Mar-Gabriel-Vereins einen Besuch bei dem Erzbischof für Deutschland im Kloster St. Jakob von Sarug in Warburg. Das ehemalige Dominikanerkloster ist jetzt Sitz des Erzbischofs und Kloster der syrisch-orthodoxen Kirche. Außerdem wohnen dort ein Mönch - Abt Hanna Aydin, - eine Familie und 16 Schüler. Außer einer Begegnungsstätte soll hier ein Priesterseminar entstehen.

Das Kloster und die Kirche bilden zusammen mit dem Grundstück einen großen Komplex; zur Zeit jedoch eine große Baustelle. Beim Erwerb im Jahre 1996 war fast nur noch der Rohbau vorhanden, der erst nach und nach wieder bewohnbar gemacht werden muß. Dies ist z.Zt. nur in einem Teil des Gebäudes der Fall, und in der Kirche kann nur auf der Empore die Liturgie gefeiert werden. So bedarf es noch vieler Arbeit bis alles voll genutzt werden und auch die Kirche in neuem Glanz erstrahlen kann. Es geschieht sehr viel in Eigenhilfe, das heißt, es kommen Christen aus den syrisch-orthodoxen Gemeinden und helfen unentgeltlich für eine Woche oder länger beim Wiederaufbau.

Wir hatten Gelegenheit, am Abend und auch am folgenden Morgen, ausführlich mit dem Erzbischof und dem Mönch Hanna Aydin zu sprechen. Der Erzbischof zeigte sich erfreut über das Interesse, daß der Mar Gabriel Verein Christen sowohl im Tür Abdin unterstützt als auch dazu mithelfen will, daß die syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland ihre Tradition bewahren. Hierzu soll auch in der Zukunft das Kloster in Warburg dienen, wo insbesondere die Jugend zusammenkommen und das Brauchtum besser kennenlernen und pflegen soll.

Dr. Anschütz gab dem Wunsche Ausdruck, so wie sie sich im Tür Abdin nie als Fremde gefühlt hat, so mögen sich die syrischen Christen in Deutschland ebenfalls nicht als Fremde fühlen.

Neben einem Geschenk für das Kloster wurden dem Erzbischof zwei gerahmte Fotos aus dem Tür Abdin übergeben.

Zur Lage der syrischen Flüchtlinge in Österreich

Von Aslan Ergen, Wien

Die meisten Flüchtlinge landen leider im Flüchtlingscamp Traiskirchen, von wo sie versuchen in andere Länder auszuwandern. Als Beispiel möchte ich das Schicksal eines 15-jährigen schildern, der mit dem Flugzeug aus dem Iran kam und sofort am Flughafen Schwechat in Schubhaft genommen wurde. Kurz vor seiner Rückführung in den Iran hörte ich von ihm und besuchte ihn im Gefängnis. Er konnte sich nicht verständigen und erklären, weshalb er nach Österreich gekommen war. Sein Vater, ein christlicher Arzt im Iran, war von den Behörden verschleppt worden und niemand wußte wohin. Die Mutter, die danach ernsthaft krank geworden war, starb, weil sie als Christin in keinen Spital aufgenommen wurde. Zurück blieben nur der Großvater und das Kind. Der Großvater verkaufte alles, was sie besaßen und verschaffte seinem Enkelkind ein Flugticket nach Österreich. So kam dieser nach Wien, wo er trotz seiner Jugend in Schubhaft genommen wurde. Ich bekam ihn frei, und er kam in ein Jugendheim der Caritas. Wir hörten dann über Umwege, daß man im Iran seinen Großvater getötet hatte weil er dem Jungen zur Flucht verholfen hatte. Hätte man den Jungen zurückgeschickt, wäre auch er getötet worden.

Ich habe bis heute ca. 40 Flüchtlinge aus der Schubhaft herausbekommen und ca. 300 vor einer Schubhaft bewahrt und einer Betreuung zugeführt. Es sind vor allem die Caritas, Christen in Not, Asyl in Not, und der Flughafen Sozialdienst, die den Menschen weiterhelfen. Von den Flüchtlingen, um die ich mich kümmerte, kamen ca. 200 ohne Geld und ohne Gepäck, nur mit dem, was sie auf dem Leibe hatten. Es ist so, daß die Schlepper die Flüchtlinge an die Grenze stellen, ihnen womöglich im letzten Moment noch alle ihre Habseligkeiten abnehmen und ihnen sagen, sie sollen noch 50 oder 100 Schritte weitergehen, dann wären sie in Schweden oder in Deutschland. Die armen Flüchtlinge glauben dann, auch wenn sie von der Grenzpolizei aufgegriffen werden, sie wären in dem Land, in das sie wollten und wofür sie den Schleppern sehr viel Geld bezahlt hatten. Nachdem sich die meisten nicht verständigen können, glauben sie auch noch in der Schubhaft, sie wären in Deutschland oder in Schweden. Es ist für sie oft wie ein Todesurteil, wenn ich komme und sie über ihren Aufenthalt aufkläre. Sie können doch nicht mehr zurück, sie haben ja alles verkauft, nur um vor dem Terror in ihrer Heimat, vor den kurdischen Befreiungskriegen, vor den Clankämpfen, in die sie verwickelt werden und vor dem Verbot, ihre christliche Religion frei auszuüben, geflohen.

Die westlichen Länder machen ihre Grenzen dicht und wollen von ihrem Wohlstand nichts abgeben. Nur so können geschäftstüchtige Schlepper mit der Not der Menschen ihre Geschäfte machen.

Viele Christen aus dem Orient leben in den sog. christlichen Ländern, in Europa, in Lagern und warten, daß sie sich endlich eine neue Heimat schaffen können. Doch erst wenn sich die wohlhabenden Christen mit diesen Armen solidarisch erklären, dann wird sich die Welt ändern.

Zweimal wurden im ORF und einmal im SAT ein Film über die Betreuung der christlichen Flüchtlinge aus dem Orient in Österreich gezeigt. ....