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MG - Mar Gabriel re-active (e.V. in Gründung)

Zur Unterstützung der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien
Mar Gabriel
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Deir ez Za`faran
Zaz

Mar Gabriel im Tur Abdin


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Deir Mar Gabriel - Deir Qartamin - Derömer - Deyr-ul-Umur

Dieses heute noch bedeutendste Kloster der syrisch-orthodoxen Kirche liegt 27 km südöstlich von Midyat an einer bei Kartmin abzweigenden 4 km langen, asphaltierten Stichstraße im gebirgigen Waldland des zentralen Tur 'Abdin. Ruinenfelder umgeben das gedrungene, wuchtige Mauerwerk. Zwischen den zum Klosterbesitz gehörigen Weide- und unregelmäßig zwischen den Felsen angelegten Ackerflächen ragen hier und da Mauerreste. Steinwälle schützen Obst- und Gemüseanpflanzungen in der näheren Umgebung des Klosters. Südlich der Gebäude wurde eine große Zisterne angelegt; Brunnen befinden sich auch neben dem großen Parkplatz vor dem Haupteingang. Hier holten sich die muslimischen Dorfbewohner der Umgebung oft ihr Wasser. Ziegen, Schafe und einige Kühe weideten sonst tagsüber zwischen dem Eichengestrüpp. Nachts wurden sie wegen der Viehdiebe auf den Hof hinter der großen Außenmauer gebracht. 1982 besaß das Kloster 12 Kühe. Schafe und Ziegen hatte man abgeschafft, weil sie zu viel Arbeit machten.

Seitdem das Kloster 1970 von Kurden ausgeraubt wurde, flossen ihm reichliche Spenden, auch von Übersee, zu, mit deren Hilfe die Mauern verstärkt wurden; sie sind jetzt mehr als 6 m hoch. Ein mächtiges Eisentor führt auf einen Hof. Hier schließen sich das Pförtnerhaus, Ställe und Magazine an den beiden Seiten an. Früher gelangte man in einem niedrigen, nach oben führenden Gang durch die innere Mauer in das Hauptgebäude. Seit der noch nicht abgeschlossenen Restaurierung wurde eine große, offene Treppe durch eine neugeschaffene Maueröffnung gelegt.

Auch im inneren Teil fuhren verschiedene Räume auf einen Hof. Rechts öffnet sich die Gabrielskirche aus dem 4./5. Jahrhundert mit ihren Arkaden zum Hof hin. In ihrem Tonnengewölbe finden die täglichen Gebetsstunden und sonntags der Gottesdienst statt. Die übrigen drei Kirchen dienen einem anderen Verwendungszweck. Im "Oktagon der Theodora" aus dem 6. Jahrhundert ist ein häufig defektes Aggregat untergebracht, das bis zum Anschluß an die Elektrizitätsversorgung im Jahre 1978 das Gebäude abends mit Licht versorgte. Die Marienkirche und die Kirche der Vierzig Märtyrer werden als Speicher verwendet.

In der Gabrielskirche stand seit langem eine große, rechteckige Steinplatte mit einer syrischen Inschrift und einigen Vertiefungen, die darauf hinweisen könnten, daß sie einst für die Zubereitung des Brotes Verwendung fand. Steinmetze aus Badip fertigten die Platte im Mittelalter für das Kloster an. 1972 erhielt sie in einer Ecke der Kirche einen neuen Platz.

Häufig wurde das Kloster von Plünderungen und Brandschatzungen heimgesucht. Aber als wertvolles Kulturdenkmal ist glücklicherweise noch eine Apsis aus dem 6. Jahrhundert in der Nordwand erhalten. Schwarz-weiß-rote Mosaiken aus Marmor bedecken den Fußboden, blau-weiß-goldene Mosaiken mit Weinranken, Blumen und Kreuzen Wände und Decke. Die reiche Innenausstattung stiftete Kaiserin Theodora. Dagegen wirken die lebensgroßen Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert neben dem Eingang ganz rustikal.

Vom Hof aus führen Treppen in verschiedene Gebäudeteile: links wohnen die 10 Nonnen. Nach alter syrischer Tradition, die wegen der gespannten Lage jahrhundertelang in Vergessenheit geraten war, versorgen sie Küche und weibliche Gäste und sorgen für Reinlichkeit im Kloster. Sie stammen aus Hespest, Harapali, Mizizah, Sideri und Midyat. Als Analphabetinnen kamen sie hierher, lernen jetzt langsam bei dem Malphono Syrisch lesen und schreiben. In ihren Räumen haben sie sich etwas gemütlicher eingerichtet als die Mönche und arbeiten in ihren Mußestunden an Stickereien. Nur tief verschleiert verließen sie noch vor einigen Jahren ihre Räume, um an den Gebetsstunden in der Gabrielskirche teilzunehmen. Heute ist ihre Kleidung schon etwas freier.

Eine andere Treppe führt auf eine Plattform, auf der würfelförmige Räume errichtet wurden. Malphono Isa Gülcan, im Kloster erzogen, hat durchgesetzt, mit seiner Frau und den drei Kindern in zwei neuen Gästezimmern im Westteil des Gebäudekomplexes zu wohnen. Durch die übereinander und terrassenförmig angelegten Räume wirkt das Kloster im Innern wie ein kleines Dorf. Ungebetene Eindringlinge können sich leicht verlaufen, Fluchtwege bleiben offen.

Im Westteil befindet sich auch die Klosterschule. 40 Jungen von 12 bis 16 Jahren aus den Dörfern des Tur 'Abdin werden hier zwei bis vier Jahre lang unterrichtet. Viele hatten vorher überhaupt keine Gelegenheit, eine Schule zu besuchen, andere gingen in die fünfjährige Grundschule. Altsyrisch lesen und schreiben, Hymnensingen, aber auch Englisch, Türkisch, Rechnen und Erdkunde stehen auf dem Stundenplan. Die Jungen werden auch in der Landwirtschaft und beim Hausputz eingesetzt. Die Älteren fahren jeden Tag nach Midyat, wo sie die Mittelschule besuchen.

Malphono Isa Gülcan kam als Halbwaise mit 10 Jahren ins Kloster. Er wurde 1948 in Bati geboren und bereits mit 14 Jahren als Malphono eingesetzt. Nach dem Militärdienst erhielt er ein Stipendium des Weltrates der Kirchen für einen Studienaufenthalt im Libanon, unterrichtete im Priesterseminar von Atschane und lernte daneben im British Council von Beirut Englisch. 1972 rief ihn sein Bischof ins Kloster zurück, um die vor der Auflösung stehende Schule neu zu organisieren. Seitdem ist er hier unentbehrlich. Er heiratete Elisbah, die Tochter des Priesters Asmer Bilge von Bati gegen den Willen von Bischof und Mönchen. Das Ehepaar mußte zunächst getrennt leben und durfte sich täglich nur kurz sehen. Aus Protest zogen die beiden nach Midyat, wurden aber von dem aus den USA zurückgekehrten neuen Prior Samuel Aktas wieder für die Arbeit im Kloster gewonnen. Elisbah macht sich als Helferin im Unterricht und in der Betreuung des fast erblindeten Bischofs Juavannes Afrem im Kloster nützlich. Auf diese Weise ist eine neue Lebensform in ein syrisches Kloster eingezogen. Zwar leben heute Familien als Hilfe für Haus und Landwirtschaft in den Klöstern, aber nur in den Nebengebäuden und nicht innerhalb der Gemeinschaft. Zunächst wird Malphono Isa mit seiner Familie nur als Ausnahme angesehen.

Bis 1973 war Isa Cicek (geb. 1942 als Sohn des Priesters von Kefri) Prior des Klosters. Er wurde im Kloster Deir ez-Za'faran bei Mardin erzogen und kam als junger Malphono ins Kloster Mar Gabriel. Nach dem Militärdienst wurde er zum Mönch geweiht und widmete sich anschließend tatkräftig dem Wiederaufbau des Klosters. Auch reiste er zu den Gastarbeitern seiner Gemeinde nach Deutschland und sammelte hier mehrere Zehntausend DM, so daß er ein Aggregat, einen Lieferwagen sowie die Einrichtung für einfache Duschen und Toiletten anschaffen konnte. Außerdem wurden Gästezimmer und für die Gabrielskirche ein Glockenturm angebaut. Wegen der Streitigkeiten mit einigen Dorfpriestern mußte Cicek 1973 das Kloster und die Türkei verlassen. Zunächst ging er nach Atschane, anschließend nach Würzburg, von dort aus in die USA. Jetzt ist er Bischof für die Kirchenmitglieder in Mittel- und Westeuropa mit dem Sitz in Holland.

Sein Nachfolger wurde vorübergehend Ilyas Öztas aus Mizizah (geb. 1940); er war vorher für Haus und Landwirtschaft verantwortlich. Dieser Mönch ging 1974 nach Atschane im Libanon, um hier eine theologische Ausbildung zu erhalten. Während des libanesischen Bürgerkriegs hielt er sich in Jerusalem auf, wo er bis Anfang 1979 blieb. Im Sommer 1979 übersiedelte er nach Hengelo (Holland).

Seit 1974 leitet Samuel Aktas (geb. 1945 in Bakisyan) das Kloster Mar Gabriel. Er wurde im Kloster erzogen und ging 1969, nach dem Militärdienst, als Sekretär des syrisch-orthodoxen Bischofs nach Amerika. Hier leitete er eine Sonntagsschule. 1973 kehrte er in den Tur 'Abdin zurück. Als aufgeschlossener junger Mann setzte Abt Samuel verschiedene Neuerungen im Kloster durch. Unzufrieden verließ darauf Mönch Sabo Bilgic (geb. 1900 in Ayinvert, Mönch seit dem Tode seiner Frau 1962) das Kloster 1974; zunächst lebte er im Kloster "Mar Augen", 1977 wechselte er in das Kloster "Mar Malke" über. - Mönch Hanna versieht jetzt Haus und Landwirtschaft.

Altbischof Juavannes Afrem Bilgic verbringt seit 1972 seinen Lebensabend im Kloster. Er bewohnt ein altes Tonnengewölbe im südöstlichen Teil des Klosters; von den langen, kerbschnittverzierten Fenstern aus kann man weit über die bewaldeten Hügel des Tur 'Abdin blicken. Viele Besucher kommen zu dem alten Herrn, der, auf einer Matratze hockend, immer noch als Respektsperson angesehen wird.

Zahlreiche Höhlen und Gänge befinden sich unter dem umfangreichen Bauwerk. In einem großen Gewölbe waren der Überlieferung nach 10000 Mönche beigesetzt. Heute sind die altsyrischen Inschriften an den Gräbern noch zu sehen.

Täglich kommen viele Pilger zum Kloster: Christen aus der Umgebung und dem nahen Kamischli, aber auch Besucher aus Europa und Übersee; Muslime und Jesidi aus dem Tur 'Abdin - sie alle wollen das Grab des heiligen Gabriel besuchen, dem wundertätige Kräfte zugeschrieben werden. Vor allem die kinderlosen Frauen erhoffen sich Hilfe vom Heiligen. Sie werfen Münzen in das Grab und streuen Erde aus dem Grab auf ihr Haupt, während sie im Gebet den Heiligen anrufen. Es heißt, daß schon vielen Frauen geholfen wurde.

Auch dem Haupt des heiligen Philoxenos von Mabbug, auf langen Umwegen hierher gelangt, werden wundertätige Wirkungen zugeschrieben. Überall trifft man auf Spuren der Heiligen: Im Klostergarten, wo Kräuter, Gemüse und Obstbäume zwischen den Ruinen wachsen, steht in der südwestlichen Ecke ein kleines Mausoleum aus dem 7. Jahrhundert in der Form eines Oktagons, wo Mönche beigesetzt wurden. Sie waren zu dieser Zeit aus Ägypten zum Kloster "Qartamin" gekommen und dort geblieben.

Die Gabrielskirche bildet ein besonderes Ziel für die Wallfahrer. Hier, so glauben viele, wirken die Kräfte des Heiligen besonders stark. Eine in der Kirche verbrachte Nacht soll von Krankheit, Siechtum und Unglücksfällen befreien. Deshalb werden abends Matratzen auf den Fußboden gelegt - gemeinsame Schlafstätten für Christen, Muslime und Jesidi. Kranke Kinder liegen eine Nacht vor dem Altar. Da sich die Gerüchte über angebliche Wunderheilungen rasch verbreiten, wächst der Pilgerstrom an. Früher mußte man zu Fuß von der Hauptstraße aus durch das Eichengestrüpp gehen - heute halten Personen- und Lastkraftwagen und Autobusse vor dem Tor.

Auch das Wasser aus der Zisterne gilt als heilkräftig. Mit einer Pumpe neben dem Eingang der Kirche - eine neue Errungenschaft - holt man das Wasser aus der Tiefe und verteilt es an durstige und wundergläubige Pilger. Für Krisenzeiten reicht das Wasser; allerdings muß für den trockenen Sommer Wasser dazugekauft werden.

Das Kloster wurde im Verlauf seiner Geschichte häufig geplündert, und deshalb gibt es hier kaum noch Kunstschätze. 1970 fanden die kurdischen Räuber nur einige Handschriften, Gefäße und Gewänder von geringerem Wert. Durch Beziehungen und eine Zahlung in unbekannter Höhe konnten die Mönche aber die meisten Gegenstände zurückerhalten.

Heute umfaßt die Klosterbibliothek mehrere hundert Bücher und Manuskripte, die meisten neu, vielfach gedruckt. Einige alte Handschriften in Syrisch und Karschuni aus den vergangenen vier Jahrhunderten werden an verborgenem Ort aufbewahrt.

Das Leben im Kloster ist asketisch; Tag und Nacht läutet die Glocke zu den Gebetsstunden in der Gabrielskirche. Die kirchlichen Fastenzeiten werden streng eingehalten; Fleisch, Milch, Eier und Käse sind dann verboten; man lebt vegetarisch. Das Essen besteht aus Nudeln, Weizenkörnern, Reis, Kartoffeln, Gemüse und Obst. Das ganze Jahr über gibt es Rosinen, getrocknete Feigen, Nüsse und eine aus Weintrauben und Walnüssen hergestellte Süßigkeit.

Für die Umgebung, und nicht nur für die Christen, bedeutet das Kloster "Mar Gabriel" ein gesellschaftliches, soziales und religiöses Zentrum. Hier dürfen sich traditionell auch Liebespaare ohne Aufsicht der Verwandtschaft treffen, um sich ein wenig kennenzulernen. Die Mönche versorgen Kranke in den abgelegenen Dörfern und kümmern sich um krankes Vieh.

Auch werden die Mönche von Zeit zu Zeit in die unbewohnten und noch erhaltenen Klöster entsandt, um für ihre Instandhaltung zu sorgen und die Bewirtschaftung der umfangreichen Ländereien zu überwachen.

Wegen des nur extensiven Anbaus kann das Kloster Mar Gabriel nur zu einem Teil von seinen Landeinkünften leben. Die Bewirtung der Besucher kostet zumeist mehr Geld, als diese bringen. Jedoch bewirken der weltweite Ruf und die bedeutende Geschichte des Klosters, daß immer noch genügend Spenden eingehen. Aber es bleibt die Frage, wie sich die Auswanderung der Tur 'Abdin-Christen auf die Situation des Klosters auswirken wird; ob die wenigen Mönche und Nonnen in dieser Einöde bestehen können, wenn das Kirchenvolk eines Tages aus den Dörfern verschwunden ist und statt dessen nur noch unberechenbare Kurden in der Umgebung leben.

Die Gründung des Klosters, über dessen Geschichte Krüger eingehend gearbeitet hat, wird auf die heiligen Samuel (gest. 406) und Simeon (gest. 433) zurückgeführt. An der Stelle des heutigen christlichen Bauwerks stand in römischer Zeit ein Tempel. Der einheimischen Legende zufolge haben die beiden Heiligen den Grundstein des Klosters dort gelegt, wo ein von einem Engel gehaltener Stein über dem Boden schwebte.

Nach kurzer Zeit hatte Samuel 400 Mönche um sich gesammelt. Durch ihre Wundertaten, die Heilung von Blinden und Gelähmten, wurden Samuel und seine Klosterbrüder überall rasch bekannt. Auf die wunderbaren Nachrichten hin sandte sogar Kaiser Honorius Gold und Silber.

Samuels Nachfolger Simeon war so bekannt, daß selbst die mächtigen Perser seine übernatürlichen Kräfte fürchteten. Auch befreite er die byzantinische Kaisertochter Theodora von einem Dämon und den Kaiser von einer Augenkrankheit - so die Überlieferung. Kaiser Theodosius (408-450) stiftete dem Kloster die Märtyrer-Kapelle, die Kirche der Muttergottes, die Kirche der Apostel und die Kirche der Vierzig Märtyrer.

In späteren Zeiten wurde das Kloster mehrfach von den Persern verwüstet; viele Mönche erlitten den Tod oder flüchteten nach Sinjar und in die Berge östlich des Tigris, wo sie neue Klöster gründeten. Trotz der vielfachen Heimsuchungen entwickelte sich das Kloster, unter dem Namen "Qartamin" in der syrischen Kirchengeschichte bekannt, zu einem der reichsten und größten des Orients. Sein Grundbesitz erstreckte sich bis nach Sinjar (heute im syrisch-irakischen Grenzgebiet), Nisibis, Hasankeyf und Serwan nördlich des Tigris. Zeitweise lebten hier mehr als l000 Mönche. Im Jahre 580 zogen 800 vornehme Mönche aus Ägypten ins Kloster ein und bauten sich sogar ihre Zellen selbst aus eigenen Mitteln. Durch diesen Zuzug gewann Qartamin noch an Ansehen.

Sein berühmtester Abt und Bischof war Gabriel (664 zum Bischof geweiht), nach dem das Kloster später benannt wurde. Er genoß auch unter den muslimischen Arabern, die nach 636 das ganze Gebiet unter ihre Herrschaft brachten, als Kirchenfürst ein so großes Ansehen, daß ihm der Kalif 'Umar (der türkische Name des Klosters "Deyr-ul-Umur" leitet sich von diesem Kalifen ab) ein Diplom mit der Bestätigung der Jurisdiktion über den ganzen, damals christlichen Tur 'Abdin überreichte.

Zu den bekanntesten Äbten des Klosters Qartamin gehörte Mar Schimun d'Seite (gest. 734), der dem Kloster viele Schenkungen zukommen ließ.

Seit dem Beginn des 7. Jahrhunderts war Qartamin Bischofssitz. 1089 wurde der Tur 'Abdin in die Bistümer Qartamin und Hah aufgeteilt. Die spätere Geschichte verlief wechselvoll. Den Zerstörungen folgten Zeiten des Wiederaufbaus und der Blüte. Zwar hinterließen die Tataren am Ende des 14. Jahrhunderts hier ihre unverwischbaren Spuren, jedoch blieb das Kloster "Qartamin/Mar Gabriel", wenn auch verarmt, bis heute das geistige Zentrum der syrischen Christen im Tur 'Abdin.

Allerdings war es besonders im 19. Jahrhundert durch die zeitweise chaotischen Zustände im Osten des Osmanischen Reiches dem Verfall preisgegeben. Diesen Eindruck erhielten mehrere Reisende auf ihrem Ritt durch den Tur 'Abdin, als sie das nahe am Weg gelegene und von Ruinen umgebene Kloster besuchten. Hier konnten sie aber auf einem großen Hof, vor Überfällen sicher, unter dem Schutz der mächtigen Außenmauern übernachten.

Damals standen vom Kloster die Gabrielskirche mit der großen Steinplatte und der Apsis mit den Goldmosaiken und ein Baptisterium. Um 1850 residierte hier ein Bischof. Das Kloster hieß auch "Deir el Amr".

Um 1870 schilderte der Sprachforscher Socin das Leben der 14 Mönche im Kloster. Diese erinnerten ihn "ihrem Aussehen nach lebhaft an das Bild des heiligen Ephrem, welches der römischen Ausgabe seiner Werke vorgedruckt ist; sie haben dasselbe hagere Gesicht und tragen dasselbe Kleid. - Geistig steht der jakobitische Klerus noch auf bedeutend niedrigerer Stufe als der chaldäische, welcher durch die Verbindung mit Rom nach und nach zum Annehmen einiger Bildung genöthigt wird." - Die Unterhaltung der Mönche habe sich hauptsächlich um Essen und Trinken und das Fasten gedreht. Allerdings hätten sie verschiedentlich versucht, den Reisenden in eine Diskussion über die verschiedenen Naturen Christi zu verwickeln und zeigten damit doch theologisches Interesse. Die Klosterbibliothek enthielt u. a. mehrere Manuskripte über historische Ereignisse und die Lebensgeschichte des heiligen Gabriel.

Noch um 1870 genoß das Kloster auch bei den Muslimen größte Achtung und war von der allgemeinen und der Kopfsteuer befreit. Auch Jesidi wallfahrteten zum Grab des heiligen Gabriel. Jedoch beklagten sich damals schon die Mönche über die großen Unkosten, die ihnen durch die Pflicht der Beherbergung von Reisenden entstünden.

Wundergläubigkeit beherrschte das Denken im Kloster: Kranke wurden durch die Kraft des Heiligen geheilt, plündernde Kurden erblindeten, als sie ihre Hand nach der Kirchentüre ausstreckten. Die meisten Besucher kamen in die Gabrielskirche, betrachteten dort die große Marmorplatte und hinten in einer Apsis die Mosaiken.

Nach dem Gottesdienst zogen die Mönche zu den 14 Heiligengräbern im Garten, wo sie Gebete sangen; anschließend wiederholten sie diese Zeremonie im Kuppelgebäude mit den Gräbern der 600 Mönche und im Totenhaus, wo 10 000 Mönche beigesetzt sein sollen. (Diese Zeremonie findet heute noch während der Fastenzeit und an besonderen Feiertagen statt, wie ich bei meinen Besuchen beobachten konnte.)

Das Kloster wurde mit gutem Zisternenwasser versorgt; in der Umgebung wuchsen Tabak und Rizinus (diese Pflanzen werden hier heute nicht mehr angebaut); außerdem sammelte man Manna und Brustbeeren im Buschwald.

Um 1900 lebten hier nur noch ein Bischof, ein Mönch und eine Nonne; das Kloster war mehrfach von Kurden überfallen und ausgeraubt worden. Trotzdem fand Gertrude Bell hier noch Spuren vergangenen Glanzes. Sie vermutete in den zwei noch erhaltenen Kirchen sogar das Schema babylonischer Tempel und assyrischer Paläste; sie fand auch noch Reste griechischer und persischer Kunst in dem verfallenen Kloster; der Prior war erst 26 Jahre alt und konnte als einziger lesen und schreiben.

Als Preusser das Kloster wenig später besuchte, beobachtete er außer den erwähnten Kunstwerken einen geisteskranken "christlichen Kurden"; er lag gefesselt vor dem Grab des heiligen Gabriel. In den Reiseberichten ist zubeobachten, daß nur die Orientalisten wegen ihrer Sprachkenntnisse den ethnischen Unterschied zwischen syrischen Christen und Kurden erfaßten, während Missionare und Kunsthistoriker beide Gruppen oft als Kurden ansahen. Die äußere Erscheinung, die ähnliche Kleidung, mag sie in dieser Meinung bestärkt haben. Auch heute kann man den Unterschied der beiden Volksgruppen auf einer kurzen Reise nur schwer erkennen.

Nach dem 1. Weltkrieg erholte sich das Kloster "Mar Gabriel" ziemlich rasch von den Zerstörungen. An Bedeutung gewann es durch den Auszug der westsyrischen Christen aus Mardin und seiner Umgebung. Das Kloster Deir ez-Za'faran wurde zunehmend von seinen in den Westen der Türkei abgewanderten Kirchenmitgliedern und Finanziers abgeschnitten; die Zahl der Mönche und Schüler sank dort bis 1978 auf zwei Mönche und etwa 10 Schüler. Das monastische Leben verlagerte sich deshalb in das Zentrum des Tur 'Abdin, das Kloster "Mar Gabriel", wo noch genügend Christen dem Kloster Halt geben können. Seit der Libanon-Krise und der Schließung der Klosterschule von Deir ez-Za'faran 1978 besteht hier die einzige theologische Schule der einstmals an Schulen und Theologen reichen Kirche.

Quelle: Helga Anschütz, Die syrischen Christen vom Tur Abdin, 1984

Der Abt Isa Cicek mit einem Schüler im Oktagon der Theodora. Kloster Mar Gabriel

Der Abt Isa Cicek mit einem Schüler im Oktagon der Theodora. Kloster Mar Gabriel Oktagon der Theodora. Kloster Mar Gabriel

Syrisch-orthodoxe Schüler im Kloster Mar Gabriel im Tur Abdin

Syrisch-orthodoxe Schüler uim Kloster Mar Gabriel im Tur Abdin

Das Kloster Mar Gabriel bei Midyat beherbergt die wichtigste Schule für Kinder im Tur Abdin, wo sie die syrische Sprache lernen können. Sie besuchen während der Woche das 20 km entfernte Gymnasium in der Kreisstadt Midyat und lernen dort auch Türkisch. Abends kehren sie ins Kloster zurück. Während der Wochenenden erhalten sie dort Syrisch- und Religionsunterricht.

Syrisch-orthodoxe Schüler uim Kloster Mar Gabriel im Tur Abdin Syrisch-orthodoxe Schüler uim Kloster Mar Gabriel im Tur Abdin